17. August 2026

Erholung beginnt nicht erst im Urlaub

Warum kleine Pausen im Alltag mehr sind als eine nette Zugabe

Wir warten auf den Urlaub, um uns zu erholen. Dabei braucht unser Kopf auch im Alltag Momente, in denen er loslassen darf.

Zwei Liegestühle stehen auf einer Wiese, dahinter beginnt der Wald. Ein Wort fällt mir ein: PAUSE.

Das Foto ist vor „unserer Hütte“ im Westerwaldent standen. Dort gibt es keinen Wecker, keine Termine, kein Programm. Dafür eine Außendusche. 😉

Wir lesen, wandern, reden, schweigen oder schauen über die Wiesen. Die Hütte ist spartanisch. Und trotzdem fehlt mir nichts.

Ich liebe diese Auszeiten. Aber warum muss ich erstin den Westerwald fahren, um mir zu erlauben, nichts zu müssen? Was dort funktioniert, müsste doch im Kleinen auch zu Hause möglich sein.

Urlaub ist das eine. Abschalten etwas anderes.

Der Körper ist im Urlaub. Der Kopf sitzt noch am Schreibtisch. Wir liegen am Strand und gehen gedanklich das letzte Gespräch durch. Oder wir lesen „nur kurz“ unsere Mails, damit uns am ersten Arbeitstag nicht alles überrollt.

Frei zu haben heißt nicht automatisch, innerlich frei zu sein. Psychologische Distanzierung nennt die Forschung die Fähigkeit, sich außerhalb der Arbeitszeit auch gedanklich von der Arbeit zu lösen.

 

Erholung muss nicht spektakulär sein

Bei der Vorbereitung meiner Online-Seminare bin ich auf Claudia Hammonds Buch „Die Kunst des Ausruhens“ gestoßen. Darin stellt sie die Top Ten der Aktivitäten vor, die beim „Rest Test“ mit mehr als 18.000 Teilnehmenden am häufigsten als erholsam genannt wurden. Auf den ersten drei Plätzen: Lesen, Zeit in der Natur verbringen und Alleinsein.

Das Überraschende - oder vielleicht auch nicht: Nichts davon ist spektakulär. Erholung kann mit einem Buch, einem Spaziergang oder ein paar stillen Minuten beginnen. Die spannendere Frage ist: Wie finden solche Momente Platz in unserem Alltag?

Das Problem ist selten fehlendes Wissen

Knapp 50 Menschen haben an meinen beiden Online-Seminaren zu diesem Thema teilgenommen. Viele wussten genau, was ihnen guttut: kurz nach draußen gehen, lesen, Musik hören oder einfach mal aus dem Fenster schauen.

Das Problem ist nicht das Wissen. Das Problem ist die „Erlaubnis“. „Mein Tag gibt das nicht her“, hörte ich immer wieder. Da wartet noch eine Mail, ein Anruf, die Wäsche oder etwas anderes, das dringender erscheint. Wir behandeln Erholung wie eine Belohnung, die wir uns erst erlauben, wenn alles erledigt ist. Aber mal ehrlich: Wann ist eigentlich alles erledigt?

Was kleine Pausen leisten können

Eine Metaanalyse von 2022 zeigt: Mikropausen von höchstens zehn Minuten können Müdigkeit reduzieren und die Energie leicht erhöhen. Ob sie auch die Arbeitsleistung verbessern, ließ sich nicht eindeutig zeigen.

Und genau das finde ich wichtig. Eine Pause muss sich nicht durch mehr Produktivität rechtfertigen. Ihr Wert kann schlicht darin liegen, dass wir uns weniger erschöpft fühlen.

Wie Erholung einen Platz im Alltag bekommt

Finde heraus, was dich wirklich erholt

Nicht jede Pause erholt uns gleich gut. Nach einem kurzen Spaziergang fühlen wir uns vielleicht ruhiger und klarer. Nach zehn Minuten am Handy dagegen manchmal noch unruhiger als vorher. Deshalb lohnt es sich, darauf zu achten, was uns wirklich guttut.

Mach die Pause klein genug

Wenn eine Stunde unrealistisch ist, beginne mit zehn Minuten: ein paar Seiten lesen, einmal um den Block gehen oder Kaffee ohne Handy.

Schaffe einen sichtbaren Übergang

Notiere den nächsten Schritt, klappe den Laptop zu oder gehe vor die Tür. Unser Kopf braucht ein Signal: Für den Moment ist Schluss.

Die zwei Liegestühle bleiben für mich ein wunderbares Bild. Ich werde weiter gern zu unserer Hütte fahren. Aber ich möchte meine Erholung nicht an den Westerwald delegieren.

Der Augenblick, in dem wir noch wählen können

Bei Erholung liegt dieser Augenblick mitten im Alltag: Warte ich, bis wirklich alles erledigt ist - oder erlaube ich mir jetzt eine kleine Pause, obwohl noch eine Mail, ein Anruf oder die Wäsche wartet?

Zehn Minuten draußen lösen nicht alle Probleme. Aber sie sind eine bewusste Entscheidung, Erholung nicht immer wieder auf später zu verschieben.

Leistung und Gesundheit sind kein Widerspruch. Erholung gehört nicht ans Ende unserer Aufgabenliste, sondern mitten hinein in unser Leben. PAUSE.